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Märchenstunde: Schnauzgriff & Alphawurf

Was ist eigentlich ein Schnauzgriff?

(Autor: Julia Reicherter, Social-Dog Pfullingen)

 

In den Hundeschulen wird der Schnauzgriff als Griff von obenüber die Schnauze mit mehr oder weniger großen Druck (je nach Veranlagung und Brutalität des Hundetrainers) gegen die Lefzen auf die darunter liegenden Zähne gelehrt. Einige Trainer meinen, bei einem "erfolgreich" und korrekt ausgeführten Schnauzengriff müsse der Welpe laut aufschreien, denn nur so sei es richtig. Ich persönlich stufe den Schnauzengriff als körperlichen Übergriff auf ein empfindliches und äußerst sensibles Körperteil des Hundes, nämlich den Fang, ein.

 

Abgeleitet wird der Schnauzengriff von etwaigen Beobachtungen der Mutterhündin mit ihren Welpen. Im Internet offenbaren sich Horror-Szenarien und Beschreibungen. Es heißt beispielsweise: "Die Mutter
geht mit ihrem Fang quer über die Schnauze ihrer Jungen und beißt oder kneift kurz zu."

 

Meine Güte, was ist das für eine Brutalität in der Aufzucht! Gar nicht auszudenken, was bei einer derartigen wochenlangen Aufzucht und Maßregelungen für Hunde entstehen! Ich habe im Zusammenleben von Hunden mit Welpen noch nie eine Hündin gesehen, die ihren Jungen in den Fang beißt - nochnie! Im Gegenteil, die Hündin ist zumeist äußerst geduldig und ihren Nerven weitaus strapazierfähig. Ich kann bestätigen: Es gibt ein "Über-den-Fang-Greifen". Es ist jedoch eher ein sanftes,nachdrückliches "Stupsen", wenn die erste ebenfalls sanfte Verwarnung oder der Versuch des Abdrängens der Welpen, z. B. von den Zitzen nicht ausreicht. Oft kommt vorher ein Knurren und der Welpe hat zunächst noch einmal die Chance, selbst zu reagieren. Erst wenn die Welpen ca. 7 Wochen alt sind und mitunter etwas zu energie-geladen ältere Gruppen-Mitglieder belästigen, wird der Schnauzengriff schon mal energischer, jedoch keinesfalls so, dass der Welpe laut und massiv und nachhaltig aufschreit.

 

Irgendwann im Verlaufe der Zeit werden die Schnauzgriffe immer seltener und es reichen zumeist die ganz normalen altbekannten innerartlichen Kommunikationsmittel. Es ist albern und absurd, Ihren fast
erwachsenen oder erwachsenen Hund mit einem Schnauzengriff zu maßregeln. Mal ehrlich, würden Sie Ihren Ehemann oder Ihre Ehefrau auch mit Stuben-Arrest oder Fernseh-Verbot belegen?

 

Mehrere Probleme gibt es, über die die "Schnauzengreifer" nachdenken sollten:

Der Schnauzengriff wird von der Mutter nach meinen Beobachtungen stets nur dann eingesetzt, wenn etwas "zu viel" oder "übermäßig" ist, insbesondere beim Erlangen der Zitzen, bei all zu stürmischen, aufdringlichen Spiel u. ä. Niemals habe ich das Über-den-Fang-greifen beobachten können, weil ein Hund nicht richtig "Sitz" macht oder in der Tierarztpraxis nicht brav neben mir sitzen bleibt. Der Schnauzengriff ist also KEIN Korrekturmittel für unerwünschtes Verhalten, sondern er dämpft vielmehr einen situations-bezogenen Überschwang.

 

Wenn Sie den Schnauzengriff bei Ihrem erwachsenen Hund einsetzen, so bitte ich Sie, mal darüber nachzudenken, wie oft Sie selbst den praktizierten Schnauzengriff bei erwachsenen Hunden beobachten konnten? Gar nicht oder äußerst selten? Aha, und warum glauben Sie, dass dies das geeignete Korrekturmittel für Ihren Hund ist? Schnauzenspielereien, Schnauzenzärtlichkeiten sind übrigens
etwas völlig anderes als der Schnauzengriff …

 

Wir sind keine "Mutter-Hündin" und haben nicht die Kompetenz, den richtigen Zeitpunkt für einen Schnauzengriff zu erkennen, noch den richtigen Druck auszuüben. Wir sind nämlich nur Mensch!

 

Mit welcher Arroganz wir gerade in der Hundeerziehung Mittel aus dem innerartlichen Repertoire übernehmen, ist unglaublich. Wir erdreisten uns, unsere Hunde mit Schnauzengriff und Alphawurf zu belegen und lassen aber diejenigen Hunde sofort einschläfern, die mit ebensolchen innerartlichen
Mitteln (Aggression) antworten oder sich dagegen zu wehren versuchen. Wie absurd ist das denn? Mit Fairness hat das nichts zu tun und mit Vertrauen, Bindung und Sicherheit erst recht nicht.

(Copyright by Claudia
Hauer, 1. Vorsitzende des TSV Welpennothilfe e. V., Weitergabe,
Vervielfältigung unter Angabe der Quelle und der Autorin)

 

Genauso verhält es sich ebenfalls mit dem sogenannten "Alphawurf", bei dem gesagt wird, man solle den Hund im Genick packen, so würde schließlich eine Mutter ihre Welpen auch strafen

 

Absoluter Schwachsinn! Der Genick-Griff mit Schütteln kann im Wolfsrudel vorkommen, von einem fremden Wolfsrüden, in der Absicht die Nachkommen seines Kontrahenten zu töten! Somit ist der Genick-Griff eine absolute existenzielle Bedrohung für den Hund (B.Summerer)!

 

Bei Hunden ist ein Greifen in die Halsgegend pure Provokation, der Hals ist die wichtigste Körperstelle beim Hund, was das Sozialverhalten und die Körpersprache angeht.

 

Deshalb bitte nie den Hund im Genick grob anfassen!

 

 

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